10.10.17

Regen.


Seit Mitte August halten die Monsunschauer an. Für einige Regionen Indiens bedeutet diese Jahreszeit pausenlos anhaltenden Regen über Wochen. Im gemäßigten Klima Bangalores dagegen regnet es ungefähr zweimal täglich, am Nachmittag und im Verlauf der Nacht. In diesem Jahr ist der Monsun außergewöhnlich heftig, innerhalb von einem Monat wurde die Niederschlagsmenge, die im Durchschnitt im ganzen Jahr fällt, überschritten. Der ungewöhnlich heftige Monsun hat in breiten Landstrichen zu heftigen Überschwemmungen geführt und Zerstörungen angerichtet, die ich mir nicht vorstellen mag, hier vor Ort sind nur ausbleibende Besucher, die an überschwemmten Straßen scheitern, Zeichen der Katastrophe.

Der Monsun in Bangalore hat viele Gesichter.
Nach einem wolkigen Vormittag machen wir es uns in der Mittagspause in der Bibliothek bequem, und öffnen die Fenster, weil die Luft nach Regen riecht. Donner knurrt, die Wolken über uns machen sich zum Sprung bereit, die Luft ist kitzlig von Gewitterspannung und dann platscht der erste Tropfen schwer zu Boden, im nächsten Moment folgen Millionen seiner Art und vor den Fenstern ist nur noch eine Wand aus Wasser. Es regnet keine Bindfäden sondern ganze Drahtseile, die die hohen Kokospalmen unter sich biegen, als ob sie zerbrechen sollten. Draußen rauscht es so laut, dass wir einander nicht mehr verstehen können. Es blitzt ein paar Mal, Donner grollt, nur 20 Minuten später ist der Spuk vorbei und ein unschuldiger Sommerregen raschelt zu Boden. Den Tee nach der Mittagspause nehmen wir im Wohnzimmer statt draußen ein und der Tag nimmt seinen Gang.
In unserer 40 köpfigen Gemeinschaft wird eine Menge Wäsche gewaschen, die jeden Tag in der nicht immer zuverlässigen Sonne trocknet. Wenn zur Mittagszeit der Himmel dunkel wird und die Luft etwas dicker, unterbrechen wir, was immer wir gerade tun, mit dem Ruf „We have to save the laundry!“ und hechten auf das Dach um die sonnengewärmten Kleider noch vor dem Platzregen von den Leinen zu reißen und ins Trockene zu bringen. Ist das erledigt, darf der Workshop, das Essen, das Meeting weitergehen.
Die Tage im Camphill enden zwei Stunden, nachdem die Dunkelheit hereinbricht. Vom Haus Antaranga, in dem ich arbeite, laufe ich also im Dunkeln zum Haus Santvana, in dem ich schlafe. Häufig funkeln Sterne aus fremden Positionen hinunter, verbergen sich dann schnell wieder hinter den langsam ziehenden Wolken. Eulen und Insekten singen die Symphonie der Nacht in tausend Stimmen. Vor dem nachtblauen Himmel heben sich die Baumwipfel pechschwarz ab, über denen nicht selten Schwärme riesiger Fledermäuse ihre Kreise ziehen – ob es Flughunde sind oder blutrünstige Vampire fällt mir als Laie schwer zu beurteilen, doch die Flügelspannweite von mindestens 50 cm lässt mich auf letzteres tippen.             
So sind die friedlichen Nächte, in denen wir gemeinsam auf den Wasserturm klettern und auf das Dorf schauen.
Doch zur Monsunzeit gehören Abende, in denen gespannte Stille herrscht und der Himmel völlig dunkel ist, bis plötzlich ein violetter Blitz den Himmel zerschneidet und finsterer Donner poltert, alle paar Minuten etwas näher. Dann ertönt ein Rascheln in den Palmen und der Himmel öffnet seine Pforten, der Regen rauscht darnieder als gäbe es kein Morgen und wenig später ist die Straße ein rauschender Bach, aus dem nur die Sitzbänke ragen, auf denen ich meinen Weg zwischen den Häusern zurücklege bis der Sprung ins kalte Wasser unvermeidlich ist. Adrenalin schießt mir in die Adern, von allen Seiten tönt das unfassbar lautes Rauschen des Wassers, das mich von oben durchnässt, durch das ich wate, es knallt der Donner ohrenbetäubend. Der Regen spült in dieser Nacht Unmengen von Sand vom oberen Teil des Grundstückes nach unten in den Garten. Das frisch gepflanzte Gemüse ist Geschichte, stattdessen macht sich der Gartenworkshop daran, den Sand von der Straße zu schaufeln und in die  kleinen ausgespülten Gräben zu füllen.

 

Nach einer verregneten Nacht geht die Sonne auf, so freundlich strahlend, als wollte sie ihre Abwesenheit wett machen. Gegen halb acht sitzen wir auf den Bänken und trinken den ersten Tee, als die Sonne hinter dem Haus Santvana zum Vorschein kommt und zwischen den Blättern der Palmen feine Straßen entstehen, gemacht aus Regen und Licht, wie schwebender Silberstaub, durch den die Spinnen Fäden aus Gold gewoben haben, als wollten sie ihn einfangen und für sich behalten. Die Straßen treffen auf die Bäume, unsere Füße und Gesichter, es sieht aus wie eine Segnung des Camphills.

Eines Nachmittags, es ist recht dunkel, sodass wir uns zum ersten Mal fragen, wo im Workshophaus eigentlich die Lichter angehen, werden wir von erstaunlich wenigen Mücken geplagt. Mit angestrengten Augen sind wir bei der Arbeit, wir weben in kleinen Rahmen und riskieren nur ab und zu einen Blick aus dem Fenster, die typische Spannung, die Regen verspricht, liegt in der Luft. Bedrohlich rumpelt es von draußen, die Minuten ziehen sich lang und länger und dann platzt die schwarze Wolke wie ein Wasserballon, draußen geht ein Unwetter nieder, das das Gras zerstampft, die Büsche schrumpfen lässt und Bäume nieder drückt. Auf dem Dach trommelt es wie aus tausend Pauken und durch jedes offene Fenster sprüht das Nass. Wie gebannt vom Anblick der grauen Wasserwand dauert es eine Weile, bis wir merken, dass es auf unsere Köpfe tropft und im Gebetsraum bereits eine große Pfütze den Boden ziert. Den Rückweg nach der Arbeit treten wir bedächtig an, jeder Mitarbeiter nimmt ein oder zwei Friends unter seinen Schirm und tapst durch die Pfützen bis unters Vordach, um für die Zurückgebliebenen eilends kehrtzumachen. Die meisten Friends werden behandelt, als seien sie aus Zucker, denn sie sind anfällig für Erkältungen, die in 90% der Fälle das Ausmaß einer ausgewachsenen Männergrippe annehmen und daher tunlichst vermieden werden sollen.
Nicht selten bringen die Gewitter die in den oberen Etagen einquartierten Mitarbeiter um den Schlaf, die Geräuschkulisse lässt vermuten, dass die Niagarafälle zeitweise über das Camphill umverlegt wurden. Nach solchen Nächten ist es auch wahrscheinlich, dass der Sitzkreis im Garten zum Swimmingpool verwandelt ist.




Der "Swimmingpool" unter normalen Umständen: Ein Sitzkreis

An einigen Sonntagen musste wegen Regen und/oder Matsch der zweistündige Spaziergang ausfallen, stattdessen versuchten wir Boote für den Pool zu bauen (und scheiterten) oder genossen es, gemeinsam einen Film anzuschauen. Noch nie habe ich ein so begeistertes Publikum erlebt, das zur Filmmusik tanzt, bei jeder komischen Szene in Gelächter ausbricht und am Ende des Filmes Beifall klatscht.
Im Verlaufe der Wochen stieg die Feuchtigkeit auch zunehmend in die Kellerräume, wo ich nächtige, sie sind dunkel und wurden sehr klamm, was zu appetitlichen Auswirkungen führte: Wir kämpften mit schimmelnden Büchern, Hüten, Gürteln, Holzgegenständen und sogar unsere Pässe wurden grau meliert, was die Wohnsituation insgesamt doch eher ungemütlich machte. Die Situation kulminierte schließlich in der völligen Überflutung der Kelleretage, wo das Wasser an mehreren Stellen ununterbrochen aus den unteren Enden der Wände quoll. Das Wasser stand bis zu 20 cm hoch und was zu niedrig gelagert war, war völlig durchnässt – darunter auch ein Gast, der mit Matratze auf dem Boden schlief.  Zu unserem ausgesprochenen Glück schliefen wir in den Flutnächten nicht in unserem Zimmer, sodass uns die katastrophalsten Auswirkungen des Monsuns erspart blieben.

15.9.17

Raki - Das Band des Schutzes



Raksha Bandhan


Der kleine rote Kalender, in den ich täglich eintrage, was mich bewegt, quillt über von teilenswerten Momenten, die ihren Weg in dieses elektronische Tagebuch nicht finden wollen. Gezwungen, eine Auswahl zu treffen, möchte zunächst die Festivals, die die Gemeinschaft begeht, im Nachhinein ergänzen. Sie sind meine wichtigsten Lehrer indischer Kultur.

Die hinduistischen und christlichen Feste spielen eine zentrale Rolle im Leben der Camphill-Gemeinschaft. Im Abstand von wenigen Wochen wird der alltägliche Rhythmus unterbrochen, Freude am Feiern löst die Pflicht ab. Die Festivals bieten Gelegenheit, sich mit Tradition und ihren spirituellen Hintergründen zu befassen und bereichern einen Jeden. Für die europäischen Außenseiter sieht diese Bereicherung natürlich anders aus als für indische Mitarbeiter oder die Friends, doch am Ende des Tages ist der gemeinsame Nenner recht schnell gefunden: „Festival Food is the BEST!“

Meine Ankunft in Indien liegt im heiligen Monat Shavana, in dem zwei wichtige Festivals gefeiert werden. Schon an meinem dritten Tag, als ich noch genug damit herausgefordert bin, die Namen Antharanga und Santvana in Erinnerung behalten zu wollen, wird Raksha Bandhan gefeiert. Am Abend des 07. August 2017 findet sich die Gemeinschaft im fünfeckigen Haus Panchanga zusammen, das nur von Kerzenschein erhellt wird und vom Duft der Räucherstäbchen erfüllt ist. In der Mitte des Raumes befindet sich eine Linie, die mit in einer dekorativen Wellenform auf den Boden gezeichnet ist. Auf ihre linke Seite begeben sich alle Männer, auf der rechten lassen sich die Frauen nieder. Alle haben sich herausgeputzt und sitzen in aufgeregtem Schweigen auf den Gebetsmatten. In der Mitte des Raumes ist eine brennende Öllampe und Kumkumpuder zu entdecken, auf einer anderen Platte befinden sich bunte Armbänder und einige Süßigkeiten. Endlich beginnt Francis die Feier und ihr Mann Anantha erklärt, was es mit dem Raki-Festival auf sich hat. Raksha Bandhan ist die Feier von Bruder und Schwester. Die Tradition hat nordindischen Ursprung und dank ihrer Bedeutung im ganzen Land Anklang gefunden. Der Name Raki stammt aus der altindischen Sprache Sanskrit und bedeutet „Band des Schutzes“. Einmal im Jahr versprechen Brüder ihren Schwestern, sie ihr Leben lang zu beschützen und ihnen stets Unterstützung zu bieten. Im Gegenzug bitten die Schwestern Gott um Reichtum, Gesundheit und Glück für ihre Brüder. So wird die geschwisterliche Zuneigung und Fürsorge regelmäßig bewusst gestärkt und in einem Ritual zelebriert. Im Camphill nimmt das Festival einen besonderen Stellenwert ein. Die Beziehung der Community-Mitglieder zueinander ist bei solch engem Zusammenleben auch geprägt von Spannungen, da einerseits Konflikte entstehen, andererseits nicht wenige Bewohner sexuelles Interesse zeigen. Letzteres spielt in unserem alltäglichen Verhalten eine erstaunlich große Rolle. Nie dürfen Mann und Frau zu zweit allein bleiben, stets müssen wir bei der Wahl unserer Kleidung wachsam sein, dürfen keinen Raum für anzügliche Blicke schaffen und uns nicht auf Körperkontakt einlassen. Dieser Aspekt meines neuen Lebens ist mit Sicherheit die größte kulturelle Umstellung, die ich erlebe. Plötzlich wird mir bewusst, wie viel sich doch im deutschen Alltag darum dreht, attraktiv zu wirken, und wie selbstverständlich kleine unverbindliche Annäherungen an das andere Geschlecht sind. Noch immer (nach 40 Tagen) macht es mir Schwierigkeiten, zu verinnerlichen, dass ich keinem Mann eine Kopfmassage geben darf, wenn er danach fragt, ein besonderes Outfit für einen Festtag unter keinen Umständen besonders eng sein darf und die Henna Tattoos nur von Frau zu Frau aufgetragen werden dürfen. Hintergrund dessen ist es, sexuelle Reize zu unterdrücken. „Die Friends sind hier, weil sie nicht dazu in der Lage sind, ein selbstständiges Leben zu führen. Wie sollen sie eine Beziehung führen können? Die Verantwortung von emotionalen und körperlichen Implikationen solcher Handlungen tragen? Wie sollen wir Missbrauch verhindern? Wir wollen diese Ebene unberührt lassen.“

Raksha Bandhan ist ein Mittel für Francis, daran zu erinnern, wie die Beziehung zwischen Mann und Frau hier aussehen soll: Geschwisterlich. Für ein Jahr wird per Los ein Geschwisterpaar bestimmt, das im kommenden Jahr besonders auf das Wohlergehen des jeweils Anderen achten soll. Bis ich an die Reihe komme, bezeuge ich frischgebackene Geschwister, die die Zeremonie voller Freude begehen, Andere sind schüchtern, wieder Andere haben motorische Schwierigkeiten oder auch Probleme, die ausgewählte Person zu akzeptieren… Dann, endlich, ruft Francis meinen Namen aus, danach den von Vishvanath, der mit einem lauten „Ajooo!“ antwortet – das bedeutet „Och nein!“ – meine Freude sinkt etwas. Doch dann konzentriere ich mich voll und ganz darauf, die Gesten der Zeremonie fehlerlos durchzuführen. Zuerst hebe ich die Öllampe vor Vishvanaths Gesicht und vollziehe drei Kreise gegen den Uhrzeigersinn mit dem heiligen Feuer. Dann entnehme ich dem Teller etwas rotes Kumkum und male mit dem Ringfinger einen Punkt in die Mitte der Stirn meines Bruders, was sich als schwierig heraustellt, da das Puder im Gesicht nicht so gut klebt wie am Finger. Als er einen ungeschickten, schiefen Bröselpunkt erhalten hat, greife ich schnell nach einem grünen Raki, das ich um seine rechte Hand knote, es ist ihm jedoch zu locker, was mir erst nach mehrmaligem Nachfragen verständlich wird. Ich bin froh dass man mich im Kerzenlicht nicht erröten sieht und versuche hastig, das Band enger zu knoten. Ich bin erleichtert, als ich die Süßigkeit in seinen Mund lege und mein Teil der Zeremonie vorüber ist - dieselben Gesten von seiner Seite erhalte ich mit Freude. Mein Raki ist knallorange mit goldenen und silbernen Steinchen. Seither grüße ich Vishvanath stets mit „Hello Brother!“ und höre öfter, wie es ihm geht, als von den meisten anderen Männern.   
Mein erstes Festival war so schön wie bedeutungsvoll. Die Bedeutung der folgenden Festivals war aber auch deutlich schwieriger zu erfassen….

3.9.17

Das erste Mal in Bangalore



10.08.2017



Zur morgendlichen Hauptverkehrszeit erschlägt uns beim Verlassen des Camphills der Lärm der Hauptstraße. Knatternde Motoren, ohrenbetäubendes Hupen von bemalten und mit Blumen geschmückten LkWs, rasselnde Busse, die schon seit vielen Jahren keine HU mehr bestehen würden sind so brechend voll, dass sich Mitfahrende an die offene Tür stellen; dazwischen Hunde, Kühe, Menschen. Die Frauen in Saris tragen mindestens ein Bindi (Punkt zwischen den Augen, der hier in allen Farben getragen wird), Mädchen in Schuluniform schleppen überdimensionierte Rucksäcke, über denen Zöpfe mit frisch duftenden Jasminblütenketten baumeln. Die Männer im Polohemd lehnen sich lässig gegen Motorräder, bis ein Bus langsamer wird. An der Bushaltestelle, dem zweiten Baum im Dorf, kommt dann Bewegung auf, wir fragen den Fahrer, ob er in die richtige Richtung fährt und springen auf. Der Schaffner kassiert 50 Cent für 45 Minuten Fahrt, die Busse mit Klimaanlage kosten das Fünffache und erinnern schon eher an vertraute BVG Gefährte mit deutlich mehr Stehplätzen. Noch schicker sind nur die abgedunkelten „Partybusse“, die ab und an mit dröhnender Musik, bunten Wimpeln und aufdringlichen LEDs im Verkehr auftauchen. Im Stop and Go des geordneten Verkehrschaos‘ wird im gewöhnlichen Bus gestolpert und gerempelt, wir sind froh, dass die Frauen vorn und die Männer hinten im Bus sitzen, denn die Berührung mit fremden Körpern ist nicht zu vermeiden und mit Geschlechtertrennung zu ertragen. An den mit Flyern zugekleisterten Fenstern ziehen werbende Privatschulen, Straßenstände, Hütten, riesige Bankgebäude und hupende Mopeds vorüber. Der Bus hält, als der Fahrer sein Frühstück am Straßenrand kauft, einen Busfahrplan gibt es ohnehin nicht, wir warten, neidisch auf das duftende Essen. Zerfetzte Werbetafeln überragen exotische Bäume in deren Schatten Früchte verkauft werden, die uns ein Rätsel sind. Daneben hängen Stellenausschreibungen, bei denen das Monatsgehalt größer gedruckt ist als die Position, Mauern und Böden sind geschmückt von Rangolis. An mancher Ampelkreuzung türmt sich Müll, an anderen stehen Eukalyptusbäume, durch deren Blätter die Sonne Muster auf den Bürgersteig zeichnet. Als wir aussteigen, riecht die Luft nach Abgasen und monsunnassem Asphalt. Ein Fluss von Menschen reißt uns mit und erst nach einigen Stunden mangelhafter Orientierung werden wir im Cubbon Park wieder angespült, in dem wir ein namenloses Gericht einer mobilen Straßenverkäuferin genießen, serviert in Bananenblatt und Zeitungspapier, mit Plastiklöffel, den ich links liegen lasse, denn eine Woche Übung genügt, um alles mit dem Fingerlöffel zu verzehren. Der Park ist leer, abstrakte Kunst und ein paar Steine sind auf dem kurz geschorenen Rasen verteilt, der mich an Londoner Parks erinnert. Ein gestreiftes Eichhörnchen huscht durch die Bäume und zieht die Aufmerksamkeit eines Streuners auf sich, Vögel flattern von Baum zu Baum. Fünfzig Meter weiter dröhnt die Straße, die mitten durch das Grün führt. An ihrem Rand verkauft ein Mann Zuckerrohrsaft. Ein Zweimeterstück der schilfähnlichen Pflanze wird durch eine Presse, die ein laut stotternder Dieselmotor betreibt, geführt, gefaltet und erneut gepresst, bis nur noch Fasern der Sprossachse übrig sind. Ein Becher schaumiges Getränk ist gewonnen, es schmeckt dank der zugegebenen frischen Zitrone nach gesunder Limonade. Nachtisch.
In einem Geschäft, in dem von jedem Kleiderbügel alle Farben des Regenbogens strahlen, werden mir ein Königsblauer, ein Warmorangener, ein bunt Gemusterter und ein völlig perfekter Sari angelegt. Manchmal kann man Glück kaufen.